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Als schwedischer Teenager reiste Yngwie Malmsteen mit Zahnbürste und Gitarre nach Amerika und hoffte auf Erfolg. Was daraus wurde, wissen wir wohl alle. Er gilt als einer der besten Gitarristen aller Zeiten und denkt mit 47 Jahren auf dem Buckel überhaupt nicht ans Aufhören. Wir sprachen mit Yngwie über die Vergangenheit, der neuen CD und auch der Zukunft.
Metalswitzerland (MS): Zuerst mal Gratulation zur neuen CD die ja wieder mal gut gelungen ist. Das letzte mal als wir miteinander sprachen war etwa vor 20 Jahren in Zürich…wie die Zeit doch vergeht… Yngwie Malmsteen (YM): Das war wohl während der „Eclipse“-Tour. Da mag ich mich gut daran erinnern, dass ich eine Rolex kaufte. Ich sammle die Dinger wie ein Wahnsinniger (lacht). Ja, es ist verrückt, wie die Zeit vergeht… MS: Auch dein Stil Gitarre zu spielen hat sich mit der Zeit verändert. Mir scheint der Sound jetzt viel präziser und schneller als früher, oder werden nur meine Ohren langsamer? YM: Ich bin jetzt sicher mehr fokussiert und auch konzentriert. Das Gitarrespielen bringt mich zum Weitermachen und natürlich ist da auch das Wort Verbesserung oder Verfeinerung ein Thema. Ich sage hier sicher nicht, dass ich das immer erreicht habe, aber es ist so, dass wenn ich spiele es mich wegblasen muss. Es geht dabei nicht um Geschwindigkeit, sondern um die Art wie ich mich ausdrücke oder mitteile. Früher war ich infolge langer Partys nicht immer ganz bei der Sache. Ich bin, wie viele andere, ruhiger geworden und gehe jetzt zum Beispiel jeden Tag Tennis spielen. Das liegt also wahrscheinlich am Stil des Lebens, das man auch anders spielt. 
MS: Du schreibst nicht nur alle Songs selber, sondern machst die ganzen Aufnahmen hin bis zur Produktion hin selber. Da haben die anderen Musiker doch vermutlich keinen grossen Einfluss mehr auf die Tracks? YM: Da muss ich jetzt aufpassen wie ich die Frage beantworte, denn sie wird mir oft gestellt und meine Antwort kommt vielfach falsch an. Ja, es ist richtig, dass ich alles selber schreibe und zwar bis hin wie das Schlagzeug klingen soll. Wenn man Mozart, Vivaldi oder andere aus der klassischen Musik hört, haben sie das auch so gemacht. Da konnte auch nicht ein Cellist kommen um eine Idee einzubringen. Improvisieren gab es damals nicht. Oder die grossen Maler. DaVinci hätte doch nie ein Bild angefangen und jemand anders darum gebeten, es zu beenden. So mache ich es auch. Wenn mein Name auf der CD steht, ist es Sound von mir und ich muss das dann auch alles verantworten. Ich möchte nicht irgendwo mitmachen um danach sagen zu können, es ist gut, aber ich habe nur einen kleinen Teil dazu beigetragen. Wo Yngwie drauf steht, ist auch Yngwie drin, und zwar ganz. Ich habe das bereits als 15-jähriger so gesehen und auch gemacht. Es ist einfach die Art wie ich arbeite und die Sache sehe. So macht es mich auch glücklich und ich weiss dann, was ich erreicht habe. Verstehe das aber nicht falsch, ich bin kein Diktator oder so. Das ist einfach meine Methode. MS: Auf der neuen CD „Relentless“ sind neben instrumentalen Tracks auch gute Hard Rocker, Mid Tempo Songs zu hören. Der Gesang wechselt von aggressiv bis hin zum Chorgesang, was das Album sehr abwechslungsreich macht. Sind diese verschiedenen „Vibes“ auch ein Zeichen der verschiedenen Stimmungen in der du warst als du die Songs geschrieben hast? YM: Möglicherweise ja, ich weiss es nicht. Alles kommt einfach sehr spontan wenn ich daran arbeite. Es sind Melodien die ich dann schreibe und hat gerade dann wenn ich es schreibe den Inhalt meiner momentanen Stimmung, ja. Aber wenn es gut läuft, „it’s just rolling and that’s beautiful“. Ich lasse es dann freien Lauf und wie erwähnt ist vieles sehr spontan. MS: Auf „Look at you now“ bist du für die Vocals verantwortlich. In der Vergangenheit gab es das auch schon. Wird es das in Zukunft vermehrt zu hören sein? YM: Geplant ist nichts. Die bisherigen Sachen waren ja eher bluesig. Dies ist der erste echte Rock-Knaller, den ich singe. Es hat einfach alles gepasst und es gefällt mir. Möglicherweise mache ich wirklich wieder mal was, aber es besteht kein Plan. MS: Am Anfang deiner Karriere wurden Schallplatten gepresst, jetzt CD’s gebrannt. Man kann vom Internet herunterladen, früher ging man in den Plattenladen eine Scheibe kaufen. Wie siehst du das Internet? Eher als Problem oder als Segen? YM: Vor ein paar Jahren hätte ich gesagt, es sei eine schlechte Sache für die Musik. Zwischenzeitlich bin ich froh darüber. Dank You Tube habe ich doch viele neue Fans gewonnen. Da kann man jederzeit ein Video schauen, das früher einmal auf MTV gezeigt wurde – und das meistens zu unmöglichen Zeiten. Man musste aufbleiben, um was zu sehen, das man sehen wollte. Mit dem Internet sind die Videos jederzeit abrufbar, man schaut etwas und leitet das Teil an Kollegen weiter. Mir persönlich hat das Internet geholfen um etwas bekannter zu werden oder neue Fans zu gewinnen. Ich finde es zwar etwas bizarr, dass es Leute gibt, die Sachen dort herunterladen, aber ich gehe mit der Zeit und akzeptiere es. Ein Kumpel ist ein Schallplattensammler und er weint. Er kann kaum mehr in einen Laden gehen um sich seine Scheiben zu kaufen. Ich erinnere mich dabei auch an meine Jugend. Da ging man mit seinem Taschengeld ein Album kaufen und war mächtig stolz das Teil zu haben. Heute ist es scheinbar ganz anders. Den Jungen genügt ein Download. Völlig bizarr. MS: Bei hunderttausenden von Musikfreaks auf diesem Planeten geltest du als ein Gitarrengott…wie ist das Gefühl sich dies bewusst zu sein? YM: Wenn ich bedenke, dass ich mit einer Zahnbürste und meiner Gitarre nach Amerika gekommen bin, erstaunt es mich. Ich habe viel gemacht und viel erreicht, bin aber auch viel ruhiger geworden. Ich bin glücklich darüber, wenn die Musik die ich spiele noch angehört wird. Das ist eigentlich alles. Für mich ist alles sehr gut gelaufen im Leben. Ich bin einfach ein Musiker, der Glück hatte und Freude an der Sache hat. Klar, ich bin dankbar dass meine Musik so viele anspricht. Aber ein Gitarrengott bin ich nicht. Wie gesagt: Mich freut es, wenn mein Sound den Leuten gefällt. MS: Die Presse hat scheinbar Probleme deinen Stil zu beschreiben. Da gibt es alles zu lesen. Die Liste enthält Heavy Metal, Neo-classical Metal, Power Metal, Speed Metal, Glam Metal, Hard Rock…um nur einige zu nennen. Wie würdest du deinen Sound umschreiben? YM: Malmsteen-Metal. Ich habe erst vor kurzem ein Tape ausgegraben, das ich als 14- oder 15-jähriger aufgenommen habe. Damals habe ich den Sound als „Heavy symphonic metal rock“ beschrieben (lacht). Aber jetzt würde ich einfach Malmsteen-Metal sagen. Man sollte es sowieso nicht kategorisieren. Es gibt zu viele Schubladen. MS: Mit der Veröffentlichung von „Relentless“ hoffen die Fans auf eine Tour. Gibt es Pläne in dieser Richtung? YM: Ja, sicher. Wobei Daten noch keine bekannt sind, aber ich bin sicher, dass ich 2011 auch in Europa unterwegs sein werde. Vermutlich im Zeitraum zwischen Juni und August, aber die Daten werden sicher rechtzeitig bekannt gegeben. Danach sagte er noch, dass er hofft die neue CD gefällt den Fans so gut wie ihm selber und er freut sich auch die Tour. Für alle Metal- und Gitarrenfans sei die neue CD (Veröffentlichung 22./23. November via Non Stop Music) wärmstens empfohlen. Yngwie war in bester Laune und man kann sich auf die Tour im kommenden Jahr zweifellos freuen. Keith
www.yngwiemalmsteen.com
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